Sachsens glühendste Idee

Wusstet ihr, dass der Glühwein aus Sachsen kommt? Zumindest das älteste bekannte Glühweinrezept Deutschlands wurde auf Schloss Wackerbarth niedergeschrieben. Was ursprünglich drin war, erfahrt ihr hier!

Winterwanderung_Erzgebirge_TVE_BerndMärz

Wer hat den Glühwein erfunden?

Eine Weihnachtszeit ohne Glühwein ist für viele undenkbar. Das heiße Getränk ist ein Muss in der Advents- und Weihnachtszeit. Zum Beispiel in der Thermoskanne bei einem Spaziergang im Schnee.
Aber wer hat ihn erfunden? Die Spur führt nach Sachsen, genauer gesagt zu Schloss Wackerbarth in Radebeul.

Schloss Wackerbarth_Radebeul_Winter

Auf Schloss Wackerbarth notierte 1834 August Raugraf von Wackerbarth (ein Nachfahre des Erbauers von Schloss Wackerbarth) seine Rezeptur für Glühwein. Der Weinliebhaber suchte nach einem Getränk, welches die Kälte vergessen und es warm ums Herz werden lässt. Dem Weißwein fügte er für die damalige Zeit exotische Gewürze wie Safran, Anis, Zimt, Granatapfel hinzu und hatte eine geistreiche Idee: er erwärmte das Gebräu... . Das Rezept blieb lange verschollen, erst vor wenigen Jahren wurde es wiederentdeckt. Nach eingehender Prüfung war klar, dass es sich um eine besondere Rezeptur handelte, die man heute als Glühwein bezeichnen würde. Damit ist es das älteste bekannte Glühweinrezept Deutschlands.

Die Mitarbeiter von Schloss Wackerbarth begannen sofort mit der Wiederbelebung dieser besonderen Tradition. Die Winzer suchten die passenden sächsischen Weißweine und Wackerbarths Chefkoch passte das historische Rezept behutsam an den heutigen Geschmack an – „Wackerbarths Weiß & Heiß“ war geboren. Das feinfruchtige Wintergetränk aus sächsischem Weißwein, Traubensaft und fein würzenden Zutaten erfreut sich heute bei Genießern aus nah und fern einer großen Beliebtheit und gehört somit zur sächsischen Weihnachts- und Genusstradition.

 

Original Rezept Glühwein Wackerbarth Sebastian Arlt

Wärmender Genuss weltweit

Glühwein ist keinesfalls nur ein sächsisches Phänomen, sondern geht weit über die Grenzen des Freistaates hinaus. In vielen anderen Ländern schätzt man das Heißgetränk, das schon so mancher Weihnachtsfeier einen unberechenbaren Charakter verliehen hat.
In Schweden, Dänemark, Finnland und Norwegen ist der Glögg (auch Gløgg oder Glögi) zur Adventszeit und zum Luciafest sehr beliebt. Ebenso wie beim hiesigen Glühwein gibt es den Glögg aber auch mit Schuss, besonders populär sind dabei Mischungen mit Wodka oder Korn. Quebecs Antwort auf den Glühwein heißt Caribou. Man trinkt ihn zumeist heiß und er wird gewöhnlich aus Rotwein und Whiskey zusammen gemischt. Für den unverkennbaren kanadischen Touch wird zudem noch Ahornsirup oder -zucker hinzugefügt. Auch in Russland gibt es ein wärmendes Wintergetränk - den Sbiten. Das Getränk besteht in erster Linie aus Honig, Wasser und Gewürzen wie Nelke, Zimt, Lorbeer und Muskatnuss. Bei der alkoholischen Variante wird dem Honig Hopfen und Hefe zugegeben.

Die Wurzeln des Glühweins lassen sich- ähnlich dem Wein- bis in die Antike zurückverfolgen: schon die alten Römer wussten den Würzwein zu schätzen. Ein noch heute bekanntes Rezept, das dem des Glühweins nicht allzu fern ist, stammt vom Feinschmecker Apicius aus dem 1. Jahrhundert vor Christus. Gewürzte Weine galten stets als kostbar denn die exotischen Gewürze konnte sich nicht jeder leisten. Sie wurden vornehmlich von den Adligen und in Königshäusern getrunken – übrigens hauptsächlich kalt. Die damalige Gewürzmischung trifft heute sicherlich nicht mehr den Geschmack. Im Kommen sind die Winzerglühweine mit Weinen aus der Region – wie beispielsweise aus Sachsen.

August Josef Ludwig Raugraf von Wackerbarth

Glühwein-Rezept mit Geschichte: Schriftstück von August Josef Ludwig von Wackerbarth über die Zubereitung.

Zutaten für eine Dresdner Kanne (0,93 Liter):

4 Loth Zimmet-Puder
2 Loth Ingwer
1 Loth Anis-Körner
1 Loth Galganat (Granatapfel)
2 Loth Muskatnüsse
1 Loth Kardamom
1 Gran Safran

Erhitze, misch und seihe (siebe) es und munde es mit Honig und Zucker ab!

1 Loth = 14 Gramm 1 Gran = 1/2 Gramm

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